Eine Lichtsteuerung schreiben Sie produktneutral aus, indem Sie Funktionen und Leistungsmerkmale beschreiben statt Produktnamen: Präsenz- und Tageslichtsteuerung, Zonierung, Grundlicht- und Korridorfunktion, Energiemonitoring, eine offene Schnittstelle wie BACnet/IP, die Art der Vernetzung sowie Inbetriebnahme, Dokumentation und Einweisung. Wichtig sind außerdem eindeutige Angaben zum Bestand, vor allem zu den vorhandenen LED-Treibern. Dieser Ratgeber zeigt, was in ein Leistungsverzeichnis gehört, und liefert einen neutralen Mustertext, den Sie anpassen und übernehmen können.
Was ins Leistungsverzeichnis gehört
Bestand und Randbedingungen
Viele Nachträge entstehen, weil der Bestand unklar beschrieben ist. Geben Sie in den Vorbemerkungen an:
- Leuchtentypen, Anzahl, Leistung und Montagehöhen je Bereich
- Treiberschnittstelle (0-10 V oder DALI), ob eine 12-V-Hilfsspannung (AUX) vorhanden ist, und Fotos der Typenschilder als Anlage
- Raumnutzungen, Betriebszeiten und ob im laufenden Betrieb gearbeitet wird
- Zugang, Hubarbeitsbühnen, Hindernisse wie Hochregale oder Maschinen
Wie Sie Typenschilder auswerten, erklären die Ratgeber Typenschild des LED-Treibers lesen und DALI-Leuchten mit Sensorik nachrüsten.
Funktionen
- Präsenzerkennung mit einstellbarer Nachlaufzeit und mehrstufigem Dimmen statt reinem Ein/Aus
- Tageslichtabhängige Regelung je Leuchte oder Zone
- Zonierung mit frei konfigurierbaren Gruppen, änderbar ohne Umverdrahtung
- Grundlicht- und Korridorfunktion: Nachbarleuchten dimmen auf ein Grundniveau, wenn in einer Zone Präsenz erkannt wird. Hintergründe im Ratgeber Grundlicht und Korridorfunktion.
- Zeitpläne und manuelle Bedienung über Taster
- Lokale Autonomie: Präsenz- und Tageslichtregelung laufen weiter, wenn die Verbindung zur Zentrale unterbrochen ist
Vernetzung und Schnittstellen
Im Bestand sollten Sie Funkvernetzung ausdrücklich zulassen oder fordern, damit keine neuen Steuerleitungen nötig werden. Für die Anbindung an die Gebäudeleittechnik ist BACnet/IP im Nichtwohnbau verbreitet. Legen Sie fest, welche Datenpunkte bereitgestellt werden müssen. Mehr im Ratgeber GLT-Anbindung über BACnet, Modbus und API.
Monitoring
Fordern Sie eine Erfassung und Darstellung des Energieverbrauchs der Beleuchtung und der Belegung je Zone, mit Datenhaltung über mindestens ein Jahr und Exportmöglichkeit. Das belegt die Einsparung und liefert Daten für Energieaudits und Berichte.
Inbetriebnahme, Dokumentation, Einweisung
Diese Leistungen werden oft zu knapp beschrieben. Beschreiben Sie, was am Ende vorliegen muss: parametrierte Zonen und Profile, ein Funktionstest je Zone, ein Inbetriebnahmeprotokoll, ein Bestandsplan mit Sensorpositionen und Zonen, Zugangsdaten und eine Einweisung des Betriebspersonals.
Mustertext Leistungsverzeichnis
Der folgende Text ist ein neutrales Muster für eine funkbasierte Nachrüstung im Bestand. Passen Sie Mengen, Einheiten und Werte an Ihr Projekt an. Die Platzhalter in eckigen Klammern sind zu ergänzen.
Vorbemerkungen
Gegenstand der Leistung ist die Nachrüstung einer automatischen, präsenz-
und tageslichtabhängigen Beleuchtungssteuerung auf Leuchtenebene in
[Gebäude/Bereich]. Vorhanden sind LED-Leuchten mit dimmbaren Treibern
(Schnittstelle: [0-10 V / DALI], Hilfsspannung 12 V: [ja/nein/gemischt]).
Leuchtenliste und Fotos der Treiber-Typenschilder liegen als Anlage bei.
Die Leuchten werden weiterverwendet. Neue Steuerleitungen zwischen Sensoren,
Leuchten und Zentrale sind nicht vorgesehen; die Vernetzung erfolgt per Funk
(vermaschtes Netz). Die Arbeiten erfolgen im laufenden Betrieb in
abgestimmten Zeitfenstern: [Zeitfenster].
Montagehöhen: [m] (Büro/Nebenflächen), [m] (Halle).
Sensor auf Leuchtenebene, Innenbereich
Präsenz- und Tageslichtsensor für den Einbau in oder an die Leuchte,
Erfassung passiv-infrarot, integrierte Tageslichtmessung, Funkvernetzung im
vermaschten Netz, Versorgung aus dem Leuchtentreiber oder netzseitig,
Ansteuerung des Treibers über [0-10 V / DALI], Dimmen in mehreren Stufen,
Nachlaufzeit und Dimmstufen per Software einstellbar, Regelung arbeitet bei
Ausfall der Zentrale autonom weiter, geeignet für Montagehöhe bis [m].
Fabrikat: [vom Bieter anzugeben] oder gleichwertig.
Menge: [Stück]
Sensor für große Montagehöhen
Präsenz- und Tageslichtsensor für Montagehöhen von [6 bis 15] m, Erfassung
passiv-infrarot mit für Hochregalgassen geeigneter Linse, Funkvernetzung im
vermaschten Netz, Ansteuerung über 0-10 V. Für Leuchten ohne
Hilfsspannung: Sensor mit eigener Netzversorgung und Schaltrelais.
Fabrikat: [vom Bieter anzugeben] oder gleichwertig.
Menge: [Stück]
Funk-Taster
Batteriebetriebener Funk-Wandtaster ohne Leitungsverlegung, Funktionen
Ein/Aus, Dimmen und mindestens [Anzahl] Szenen, Zuordnung zu einer oder
mehreren Zonen per Software.
Fabrikat: [vom Bieter anzugeben] oder gleichwertig.
Menge: [Stück]
Zentrale Managementeinheit mit Monitoring
Zentrale Einheit zur Verwaltung aller Zonen des Gebäudes, mit
webbasierter Bedienoberfläche, grafischer Darstellung auf Grundrissplänen,
Zeitplänen, Erfassung und Darstellung von Energieverbrauch und Belegung je
Zone, Datenhaltung mindestens 12 Monate, Datenexport. Schnittstelle zur
Gebäudeleittechnik über BACnet/IP; Datenpunktliste gemäß Anlage [Nr.].
Einschließlich erforderlicher Gateways bzw. Zonen-Schnittstellen.
Fabrikat: [vom Bieter anzugeben] oder gleichwertig.
Menge: [1 Stück / pauschal]
Funktion Grundlicht und Korridor
Parametrierung einer Grundlicht- bzw. Korridorfunktion: Bei Präsenz in
einer Zone werden definierte Nachbarleuchten auf [%] gedimmt; Nachlaufzeit
[min], danach Abschaltung bzw. Grundlicht gemäß Nutzungsprofil. Die
Anforderungen an die Beleuchtung nach ASR A3.4 und DIN EN 12464-1 bleiben
eingehalten.
Pauschal
Inbetriebnahme, Dokumentation, Einweisung
Inbetriebnahme aller Komponenten, Bildung der Zonen und Hinterlegung der
Profile nach abgestimmtem Zonenkonzept, Funktionstest je Zone mit
Protokoll, Test der GLT-Schnittstelle gemeinsam mit dem Errichter der GLT.
Übergabe: Bestandsplan mit Sensorpositionen und Zonen, Parameterliste,
Datenblätter, Zugangsdaten. Einweisung des Betriebspersonals, Dauer
[Stunden], mit Teilnehmerliste.
Pauschal
Optional: Wartung und Betreuung
Wartung und Betreuung der Anlage über [Jahre], Anpassung von Profilen bei
Nutzungsänderungen, Störungsannahme mit Reaktionszeit [Stunden/Tage].
Als Eventualposition.
Häufige Fehler in Ausschreibungen
- Nur „Präsenzmelder“ ausgeschrieben, ohne Dimmen, Tageslicht und Zonierung
- Treiberschnittstelle und Hilfsspannung nicht angegeben
- Kabelgebundene Lösung vorgeschrieben, obwohl Funk im Bestand günstiger und schneller wäre
- GLT-Schnittstelle ohne Datenpunktliste
- Inbetriebnahme, Dokumentation und Einweisung als Nebenleistung ohne Inhalt
- Kein Energiemonitoring, obwohl die Einsparung nachgewiesen werden soll
Gesetzlicher Rahmen
Nach § 56 Abs. 6 GModG müssen Nichtwohngebäude mit einer Heizungs-, Klima- oder kombinierten Lüftungsanlage über 70 kW bis 31.12.2029 mit einer automatischen Beleuchtungssteuerung ausgestattet sein, Zonierung und Präsenzerkennung sollen im Regelfall vorgesehen werden. Ein funktional beschriebenes LV mit diesen Merkmalen deckt die Anforderungen gezielt ab. Mehr unter Lichtsteuerung-Pflicht. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
Fazit
Ein gutes Leistungsverzeichnis für eine Lichtsteuerung beschreibt Funktionen statt Produkte, macht den Bestand eindeutig und legt fest, was nach der Inbetriebnahme vorliegen muss. Mit präzisen Angaben zu Treibern, Montagehöhen und Betriebszeiten erhalten Sie vergleichbare Angebote und vermeiden Nachträge.
So unterstützen wir Sie
Unser Schwerpunkt ist die Nachrüstung: Vorhandene LED-Leuchten mit dimmbarem 0-10-V- oder DALI-Treiber machen wir mit Sensorik und Lichtmanagement per App zu einer intelligenten Beleuchtung – ohne neue Leuchten und ohne neue Steuerleitungen, Details unter Nachrüstung.
Für Planer stellen wir auf Anfrage Datenblätter und technische Angaben bereit und unterstützen bei der Bestandsaufnahme der Treiber. Die Montage übernehmen wir in der Regel selbst, auf Wunsch auch Ihr eigener Elektrofachbetrieb. Jedes Projekt enthält den AU-Manager, sodass Belegungserkennung, Zonierung und Monitoring inklusive sind, einschließlich BACnet/IP für die GLT. Sprechen Sie uns über die Kontaktseite an.
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Häufige Fragen
Wie schreibe ich eine Lichtsteuerung produktneutral aus?
Beschreiben Sie Funktionen und Leistungsmerkmale statt Produktnamen: Präsenz- und Tageslichtsteuerung, Zonierung, Grundlichtfunktion, Monitoring, Schnittstelle und Vernetzung. Ist ein Produktverweis unvermeidbar, ergänzen Sie „oder gleichwertig“.
Was gehört in ein LV für eine Lichtsteuerung?
Vorbemerkungen zum Bestand mit Treiberschnittstelle und Montagehöhen, Positionen für Sensoren, Taster und Zentrale, Funktionen wie Grundlicht und Korridor, Monitoring, GLT-Schnittstelle sowie Inbetriebnahme, Dokumentation und Einweisung.
Muss die Lichtsteuerung in der Ausschreibung BACnet können?
Wenn eine Gebäudeleittechnik vorhanden oder geplant ist, ist eine offene Schnittstelle sinnvoll. BACnet/IP ist im Nichtwohnbau verbreitet. Legen Sie zusätzlich fest, welche Datenpunkte bereitgestellt werden müssen.
Kann ich eine Funk-Lichtsteuerung ausschreiben?
Ja. Gerade im Bestand ist es sinnvoll, Funkvernetzung zuzulassen oder zu fordern, weil keine neuen Steuerleitungen verlegt werden müssen. Beschreiben Sie, dass die Regelung bei Verbindungsverlust zur Zentrale lokal weiterarbeitet.
Welche Angaben zum Bestand brauchen Bieter?
Leuchtentypen, Anzahl, Leistung, Montagehöhen, Treiberschnittstelle (0-10 V oder DALI), Angaben zur 12-V-Hilfsspannung, Fotos der Typenschilder, Betriebszeiten und Zugangsbedingungen.




