Für den Bestand ist Funk meist die wirtschaftlichere Wahl, für den Neubau oder eine Kernsanierung mit offenen Decken kann ein Kabelbus wie DALI oder KNX genauso sinnvoll sein. Der größte Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern im Installationsaufwand: Ein Bus braucht eine Steuerleitung zu jeder Leuchte und jedem Sensor, Funk wie Bluetooth Mesh nur die vorhandene Netzversorgung. Beide Wege steuern Licht zuverlässig, wenn sie sorgfältig geplant sind.
Die beiden Ansätze
Kabelgebundene Lichtsteuerung verbindet Sensoren, Taster und Treiber über eine Busleitung. In der Beleuchtung ist das meist DALI, in der übergreifenden Gebäudeautomation häufig KNX. Die Busleitung bildet das Rückgrat, über das Steuerbefehle und Rückmeldungen laufen. Im Neubau wird sie mit der Elektroinstallation geplant und verlegt.
Funkbasierte Lichtsteuerung ersetzt die Steuerleitung durch ein Funknetz. Bei Bluetooth Mesh wird jedes netzbetriebene Gerät Teil des Netzes und reicht Nachrichten an seine Nachbarn weiter. Sensoren sitzen direkt in der Leuchte und werden aus dem Treiber versorgt; batteriebetriebene Sensoren und Wandschalter kommen ganz ohne Leitung aus. Wie das Netz funktioniert, erklärt der Ratgeber Bluetooth Mesh in der Lichtsteuerung.
Vergleich für den Bestand
| Kriterium | Kabel (DALI, KNX) | Funk (Bluetooth Mesh) |
|---|---|---|
| Steuerleitungen | zu jeder Leuchte und jedem Sensor | keine zusätzlichen |
| Eingriff in Decken | Öffnen, Kabelwege, ggf. Brandschutz | Leuchte öffnen, Sensor einsetzen |
| Betriebsunterbrechung | meist größer, oft bereichsweise Sperrung | kurz je Leuchte oder Raum |
| Kostenschwerpunkt | Elektro- und Nebenarbeiten | Hardware und Inbetriebnahme |
| Umnutzung von Flächen | Gruppen per Software, Leitungsänderung möglich | Gruppen per Software, keine Leitungsänderung |
| Abhängigkeit von Funkumgebung | keine | Planung bei Stahlbeton, Metallregalen nötig |
| Batteriewechsel | keiner | nur bei batteriebetriebenen Geräten |
| Typischer Einsatz | Neubau, Kernsanierung, zentrale GA | Sanierung im Betrieb, Hallen, Büros im Bestand |
Kostentreiber realistisch betrachten
Bei kabelgebundenen Systemen im Bestand übersteigen die Installationskosten oft den Preis der eigentlichen Steuerungskomponenten. Zu den Elektroarbeiten kommen Nebenarbeiten: Decken öffnen und schließen, Staubschutz, Brandschutzschotts, Gerüste oder Hubarbeitsbühnen in Hallen, Abstimmung mit Mietern und Arbeiten außerhalb der Nutzungszeiten. Je höher die Decke und je dichter die Nutzung, desto stärker fallen diese Posten ins Gewicht.
Bei Funk verschiebt sich der Schwerpunkt: Jede gesteuerte Leuchte erhält einen Sensor oder Node, und die Inbetriebnahme per App braucht Planung. Dafür entfällt fast die gesamte Leitungsverlegung. Voraussetzung ist ein dimmbarer Treiber; fehlt der 12-V-Hilfsausgang, gibt es Alternativen, siehe 12-V-Hilfsausgang am LED-Treiber. Eine Kostenübersicht bietet der Ratgeber Was kostet eine Lichtsteuerung?.
Störung des Betriebs
In Büros, Praxen, Lagern oder Produktion ist die Betriebsunterbrechung oft der eigentliche Engpass. Für neue Busleitungen müssen Bereiche geräumt oder Arbeiten auf Wochenenden gelegt werden. Funk-Nachrüstung erfolgt Leuchte für Leuchte: öffnen, Sensor anschließen, schließen. Ein Raum ist meist in kurzer Zeit erledigt, die Inbetriebnahme läuft anschließend per App.
Flexibilität
Beide Systeme legen Gruppen und Zonen per Software fest. Ändern sich Grundrisse, etwa weil aus einem Großraum Besprechungsräume werden, ist Funk im Vorteil: Die Zuordnung wird in der App geändert, es müssen keine Leitungen verlegt werden. Bei Bussystemen reicht oft ebenfalls eine Umprogrammierung, solange die Leitungstopologie passt. Wird eine Fläche neu aufgeteilt und liegen Leuchten auf anderen Linien, kann aber Leitungsarbeit anfallen.
Zuverlässigkeit
Kabel sind unabhängig von Funkstörungen und Wandaufbauten. Dafür können Leitungsfehler, falsch belegte Klemmen oder überlastete Busnetzteile ganze Linien beeinträchtigen. Ein Mesh-Netz leitet Nachrichten über mehrere Geräte weiter; fällt eines aus, nehmen Nachrichten andere Wege. Seine Zuverlässigkeit hängt von der Gerätedichte und der Planung ab: Stahlbetondecken, Brandschutzwände und Metallregale dämpfen Funk und werden bei der Planung berücksichtigt. Wichtig für beide Ansätze: Die eigentliche Präsenzentscheidung fällt bei Leuchtensensorik in der Leuchte selbst, sodass das Licht auch bei gestörter Kommunikation weiter auf Präsenz reagiert.
Kombinationen sind möglich
Funk und Kabel schließen sich nicht aus. In der Leuchte kann ein DALI- oder 0–10-V-Treiber sitzen, während die Sensoren zwischen den Leuchten per Funk kommunizieren. Eine vorhandene DALI-Steuerung lässt sich je nach Zustand integrieren oder ablösen, siehe DALI-Leuchten mit Sensorik nachrüsten. Die Anbindung an die Gebäudeleittechnik erfolgt bei beiden Ansätzen meist über Gateways, beim Funk etwa über den AU-Manager mit BACnet/IP, siehe GLT-Anbindung über BACnet, Modbus und API. Den direkten Technikvergleich vertieft DALI oder Bluetooth Mesh?. Wer eine Lichtsteuerung ausschreiben will, findet Hinweise im Ratgeber Lichtsteuerung ausschreiben.
Entscheidungshilfe
Kabel passt gut, wenn Decken ohnehin geöffnet werden, eine zentrale Bus-Infrastruktur geplant ist oder in bestimmten Bereichen keine Funkkommunikation gewünscht ist.
Funk passt gut, wenn im laufenden Betrieb nachgerüstet wird, die Leuchten bereits dimmbar sind, Hallen mit hohen Decken ausgestattet werden oder Flächen häufig umgenutzt werden.
Unabhängig vom Weg zahlt sich die Steuerung aus: Als Richtwert aus unseren Projekten spart allein die Sensorik mehr als 60 % des Beleuchtungsstroms, mit Tageslicht und Grundlicht sind bis zu 92 % möglich. Für Nichtwohngebäude mit einer Heizungs-, Klima- oder kombinierten Lüftungsanlage über 70 kW fordert § 56 GModG zudem bis 31.12.2029 eine automatische Beleuchtungssteuerung. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
So unterstützen wir Sie
Unser Schwerpunkt ist die Nachrüstung: Vorhandene LED-Leuchten mit dimmbarem 0-10-V- oder DALI-Treiber machen wir mit Sensorik und Lichtmanagement per App zu einer intelligenten Beleuchtung – ohne neue Leuchten und ohne neue Steuerleitungen, Details unter Nachrüstung.
Wir setzen im Bestand auf Funk per Bluetooth Mesh, weil es die wenigsten Eingriffe erfordert, und sagen Ihnen offen, wenn in einem Bereich eine Busleitung sinnvoller wäre. Die Montage erfolgt in der Regel durch uns, auf Wunsch durch Ihren eigenen Elektrofachbetrieb. Jedes Projekt enthält den AU-Manager, damit sind Belegungserkennung, Zonierung und Monitoring dabei. Sprechen Sie uns über die Kontaktseite an.
Häufige Fragen
Ist eine Funk-Lichtsteuerung zuverlässig?
Ja, wenn sie geplant ist. Ein Mesh-Netz leitet Nachrichten über mehrere Geräte weiter, sodass Ausfälle einzelner Geräte umgangen werden. Stahlbeton, Brandschutzwände und Metallregale werden bei der Planung berücksichtigt. Bei Leuchtensensorik reagiert die Leuchte zudem selbst auf Präsenz.
Was ist günstiger im Bestand: DALI-Bus oder Funk?
Im genutzten Bestand meist Funk, weil Steuerleitungen, Deckenöffnungen und Nebenarbeiten entfallen. Bei offenen Decken in einer Kernsanierung kann eine Busleitung wirtschaftlich gleichwertig sein.
Kann man KNX und Funk-Lichtsteuerung kombinieren?
Grundsätzlich ja. Die Anbindung erfolgt typischerweise über Gateways oder die Gebäudeleittechnik, etwa über BACnet/IP. Welche Schnittstelle passt, hängt von der bestehenden Automation ab.
Muss man für eine Funk-Lichtsteuerung neue Kabel verlegen?
Nein. Sensoren und Nodes werden in oder an der Leuchte angeschlossen und aus dem Treiber versorgt, batteriebetriebene Sensoren und Wandschalter brauchen gar keine Leitung.
Wann ist eine kabelgebundene Lichtsteuerung sinnvoller?
Wenn Decken ohnehin geöffnet werden, eine zentrale DALI- oder KNX-Infrastruktur geplant ist oder in bestimmten Bereichen keine Funkkommunikation gewünscht ist.




